Wie gewinne ich bei Fotowettbewerben?

Foto: Clay Banks

An Fotowettbewerben teilzunehmen ist generell eine gute Idee, auch die Preise können verlockend sein. Sei es Geld, Veröffentlichungen oder einfach die Anerkennung.

Dennoch gibt es einige Stolpersteine und leider auch schwarze Schafe unter den Veranstaltenden. Was Du beachten solltest, um nicht übers Ohr gehauen zu werden und am Ende vielleicht auch zu gewinnen, erläutern wir hier.

Finde Deine Nische

Die Recherche nach Fotowettbewerben kannst Du wesentlich vereinfachen, wenn Du Dir bereits darüber bewusst bist, wie Dein persönlicher Bildstil aussieht und Du Dich bereits mit Bildsprache auseinandergesetzt hast. Schaue Dir nur Fotowettbewerbe genauer an, zu deren Themen bzw. Aufgaben Du am liebsten fotografierst oder auf welche Themen Du neugierig bist.

Es gibt so viele Arten von Fotowettbewerben in Bezug auf Techniken und Kategorien. Die Auswahl davon sind die wichtigsten Punkte bei der Planung der Bewerbung. Passe die Fotos genau an die Art des Wettbewerbs und die entsprechende Kategorie an.

Es gibt sehr große Wettbewerbe mit tausenden Teilnehmenden und endlosen Einreichungen. Dagegen gibt es auch unbekanntere Wettbewerbe, bei denen allein durch die geringere Teilnehmendenzahl Deine Gewinnchancen um einiges höher sind. Der Gewinn bei einem Fotowettbewerb sagt nicht nur etwas über die Qualität der Gewinnenden aus, sondern hat auch etwas mit Wahrscheinlichkeit und Glück zu tun.

Sind Fotowettbewerbe mit Teilnahmegebühr seriös?

Eine seriöser Fotowettbewerb ist für alle Beteiligten sehr viel Arbeit. Dadurch, dass dank digitaler Technik die Teilnahme so leicht geworden ist, werden viele Wettbewerbe regelrecht überflutet. Hier kann eine Teilnahmegebühr, meist zwischen 5 und 40 € bzw. US$ den Austragenden etwas helfen, mit etwas weniger Bilderflut umgehen zu müssen.

Oft wird auch aus einer Teilnahmegebühr das Preisgeld gezahlt. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden. Die Gewinnchancen sind immerhin höher als bei Glücksspielen. Den Arbeitsaufwand einer echten Bildauswahl und eines echten Jury-Prozesses sowie die technischen Grundlagen lassen niemanden bei diesen Teilnahmegebühren an Fotowettbewerben „reich werden“.

Bevor Du einem Wettbewerb Geld überweist, schaue dennoch selbstverständlich genau an, ob Du die Austragenden als seriös empfindest und ob es in sozialen Medien irgendwelche Warnzeichen gibt.

Interessanterweise ist Vorsicht vor allem dann geboten, wenn es keine Teilnahmegebühr gibt. Dann handelt es sich entweder um eine Werbeveranstaltung oder Du bezahlst mit Deinen eingegebenen Daten. Sei es durch den Erhalt von unerwünschter Werbung oder den Verzicht auf Deine Bildrechte. Und darüber sprechen wir jetzt.

Achte auf diese Warnzeichen!

  • Du überträgst, über den Wettbewerb hinaus, die uneingeschränkten Nutzungsrechte auf die veranstaltenden Firmen oder Organisationen. Das steht bei kostenlosen Wettbewerben großer Firmen oft im Kleingedruckten und beschafft denen die nächste kostengünstige Werbekampagne.
  • Unprofessionelle Gestaltung der Website und Grafiken. Wer sich keine ordentlich gestaltete Website leisten kann, wird auch keinen ordentlichen und fairen Fotowettbewerb auf die Beine stellen.
  • Es gibt kaum Interaktionen in sozialen Netzwerken. Nicht alle Wettbewerbe sind in sozialen Netzwerken vertreten, aber wenn sie es sind, dann musst Du dort echte Interaktionen erwarten. Aber Achtung: „Likes“ sehr leicht kaufen, schaue Dir die Qualität der Interaktionen genau an.
  • Die Namen der Jury-Mitglieder sind nicht veröffentlicht. Seriöse Austragende zeigen stolz, wer die Fotos bewertet. Vor allem können diese Namen und deren Arbeiten Dir Aufschluss darüber geben, ob Deine Fotos gute Gewinnchancen haben.
  • Es werden keine früheren Gewinner*innen präsentiert, obwohl der Fotowettbewerb nicht neu ist. Nur mit den Fotos aus bereits abgeschlossenen Wettbewerben kannst Du Dir ein Bild über die Seriosität machen.
  • Frühere Gewinn-Fotos sind von niedriger Qualität oder eindeutig Stock-Bilder. Über Geschmack lässt sich streiten, aber wenn die Qualität nicht stimmt oder die Fotos aus einer Datenbank sind, Hände weg! Der Gewinn eines unseriösen Wettbewerbs kostet nur Zeit und bringt Dich kein Stück weiter.

Befolge die formalen Teilnahmebedingungen

Es wird oft übersehen und ist mühselig, aber es ist sehr wichtig, dass Sie die formalen Anforderungen erfüllen, wenn Sie Bilder zum Fotowettbewerb einreichen. Das Wichtigste ist, alle Ziele des Veranstalters zu erreichen. Andernfalls wird Ihre Bewerbung möglicherweise in der Anfangsphase abgelehnt.

  • An wen richtet sich der Wettbewerb? Es gibt möglicherweise Einschränkungen bezüglich des Alters oder die Frage, ob Fotografie als Beruf ausgeübt wird.
  • Befolge die formalen Anforderungen an Bildmaße und Dateiformat.
  • Gibt es konkrete Vorgaben zur Form der Dateinamen?
  • Welche Bildbearbeitungen und Bildmanipulationen sind erlaubt? Bei einigen Fotowettbewerben können kleine Korrekturen vorgenommen werden wie Farbe, Kontrast und Zuschnitt; bei anderen dürfen nur unbearbeitete Originale eingereicht werden. Es gibt aber auch Wettbewerbe, bei denen die ganze Bandbreite digitaler Kunst erwünscht ist.
  • Schaue Dir genau an, welche Beschränkungen es sonst noch gibt. Das kann zum Beispiel Schwarzweiß betreffen oder nur analoge Fotos sind erlaubt.
  • Einige Wettbewerbe definieren einen festen Zeitrahmen für den Aufnahmezeitpunkt. Manche Bilder dürfen beispielsweise nur in den letzten drei Jahren oder im laufenden Jahr aufgenommen worden sein.
  • Wie hoch darf die Anzahl der Fotos sein? Reiche nicht zu viele und nicht zu wenig ein.
  • Welche Höhe hat das Preisgeld? Je höher es ist, desto mehr Menschen werden sich darum bemühen. Die Höhe des möglichen Preisgelds sollte sich auch im Aufwand für den Fotowettbewerb widerspiegeln.

Überraschung: Reiche nur Deine wirklich besten Fotos ein

Jeder Fotowettbewerb hat eine einzigartige Aufgabenstellung. Selbst wenn Du bereits die passenden Fotos hast, solltest Du sie vielleicht noch einmal bearbeiten oder neu produzieren. Dein Auge von damals ist niemals das von heute.

Die Jurorinnen und Juroren sehen tausende Fotos und müssen in wenigen Sekunden harte Entscheidungen treffen. Wenn Du irgendeinen Zweifel an der Qualität Deines Fotos hast, reiche es nicht ein. Achte genau auf die Komposition, das Spiel des Lichts und achte darauf, dass nichts von Deiner Aussage ablenkt.

Du musst Dein Foto anschauen und sofort davon zu 100 % überzeugt sein.

Lass Dir helfen

Fotowettbewerbe werden auch mit Hilfe anderer gewonnen
Foto: Victoria Museums

Hole Dir Rückmeldung von anderen ein. Das können wir Dozierende der Licht ‒ Schule für Fotografie sein oder Deine Bekannten und Verwandten. Wenn die keinen fotografischen oder künstlerischen Hintergrund haben, gib ihnen eine Auswahl von Bildern und frage sie, welche sie vom Bauchgefühl her am besten finden.

Dieses „Bauchgefühl“ ist eine Ansammlung unserer aufgesogenen Kultur und ein sehr guter Gradmesser. Dir werden Deine Verwandten und Bekannten nicht sagen können, warum sie ein Bild gut finden (das tun wir), aber sie können Dir weiterhelfen.

Und wenn sich Dein Umfeld für ein Foto entscheidet, das Du gar nicht mochtest, wirst Du es in dem Augenblick Deine Meinung dadurch sofort wissen.

Frage keine anonymen Foren und sozialen Medien. Die Beliebtheit dort hängt mehr von Tageszeit und Zielgruppe ab als von künstlerischer Schaffenshöhe. Frage Menschen direkt nach ihrer Meinung und nicht in der Anonymität zwischen der Berechnung von Algorithmen.

Schaue Dir die Galerien früherer Fotowettbewerbe an

Wie bereits erwähnt ist es sehr wichtig, sich die Galerien der bereits beendeten Wettbewerbe anzuschauen. Nur so kannst Du sehen, ob Du mit Deinen Arbeiten überhaupt „reinpasst“.

Die Jury hat einen Geschmack und Standards. Für den Geschmack musst Du Dich zwar nicht verbiegen, aber deren Standard einhalten. Nimm nur teil, wenn Du Dich bereit dafür fühlst oder einfach üben möchtest.

Nutze das Potenzial

Es besteht die Möglichkeit, dass Du vielleicht einen sehr Prestige-trächtigen Wettbewerb gewinnst. Du kannst nur das Preisgeld einstreichen und damit machen, was Du willst, klar. Aber was viele unterschätzen ist das Potenzial nach dem Gewinn.

Du kannst auf Verlage zugehen, Agenturen werden Dir mehr Aufmerksamkeit schenken und Du kannst damit ganz anders wahrgenommen werden. Nutze den Gewinn für Deine Vermarktung, dann hat auch die Teilnahme an all den Fotowettbewerben Sinn ergeben, die Du nicht gewonnen hast.

Natürlich steht es Dir frei, nichts davon zu befolgen und einfach nur aus Spaß an der Sache teilgenommen und gewonnen zu haben.

Nicht nur die Gewinner sind wichtig!

Nicht alle können gewinnen. Oft entscheidet nur eine Stimme über den Gewinn. Wenn Du Dich für die Teilnahme am Fotowettbewerb entscheidest, beachte, ob es auch lobende Erwähnungen gibt, die „Honorary Mentions“.

Alle erwähnten Personen können sich auf Werbung, einen Platz in der Galerie nach dem Wettbewerb und die Veröffentlichung in Zeitungen oder Online-Magazinen verlassen. Dies erhöht die Chance, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, erheblich.

Bleib hartnäckig aber geduldig

Gewinnen kann nur, wer teilnimmt. Aber mache Dir bewusst, jede Teilnahme an einem Fotowettbewerb ist Arbeit.

Je öfter Du an Fotowettbewerben teilnimmst, desto höher Deine Gewinnchancen. Einmal durch die Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber auch durch Deine stetige technische Verbesserung. Bei der Licht ‒ Schule für Fotografie begleiten wir Dich gern auf diesem Weg Deiner fotografischen Entwicklung.

Viel Glück!

Fotowettbewerbe im deutschsprachigen Raum

Internationale Fotowettbewerbe

Sascha ist Fotograf aus Brandenburg und lebt seit 2001 in Berlin. Er hat seine Fotoausbildung an der Neuen Schule absolviert und lehrt inzwischen selbst Fotografie bei der Licht ‒ Schule für Fotografie.